Fundamentalanalyse: KGV, Schulden und Wachstum

Was ist Fundamentalanalyse?

Fundamentalanalyse bewertet den inneren Wert eines Unternehmens anhand von Finanzkennzahlen: Wie profitabel ist es? Wie schnell wächst es? Wie hoch ist die Verschuldung? Ein günstiges Fundamental-Profil reduziert das Risiko eines momentum-getriebenen Einstiegs erheblich.


Die 4 Kernkennzahlen

KGV — Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das KGV zeigt, wie viel Anleger bereit sind, für einen Euro Gewinn zu zahlen.

KGV Interpretation
< 15 Günstig bewertet — potenzieller Value-Trade
15 – 30 Marktdurchschnitt
> 30 Teuer — Wachstum muss die Bewertung rechtfertigen
Negativ Unternehmen macht Verlust

Achtung: Kandidaten aus dem Auswahluniversum haben oft sehr hohe oder negative KGVs — hier ist das KGV ein Risiko-Indikator, kein disqualifizierendes Merkmal.


Umsatzwachstum

Wächst das Unternehmen? Wachstum rechtfertigt höhere Bewertungen.

Wachstum (YoY) Signal
> 20 % Stark — Long-Bias
5 – 20 % Gesund — Neutral
0 – 5 % Stagnation
Negativ Schrumpfend — Short-Bias

Gewinnmarge

Die Nettomarge zeigt, wie viel vom Umsatz als Gewinn übrig bleibt.

  • 20 % → Sehr profitables Geschäftsmodell

  • 5 – 20 % → Solide
  • < 5 % → Margenschwach — anfällig für Kostensteigerungen

Schuldenquote (Debt-to-Equity)

Hohe Schulden erhöhen das Pleiterisiko — besonders bei steigenden Zinsen.

D/E Bewertung
< 0.5 Konservativ finanziert
0.5 – 2.0 Normal
> 2.0 Hochverschuldet — erhöhtes Risiko

Wie 360° Fundamentals bewertet

Jede Kennzahl erzeugt einen Teilscore. Der Gesamt-Fundamental-Score entscheidet über Long / Neutral / Short:

KGV-Score + Wachstums-Score + Margen-Score + Schulden-Score
→ Gewichteter Schnitt
→ Long (positiv), Short (negativ), Neutral

Ein Instrument mit starkem Momentum, aber schwachen Fundamentals, bekommt in der Aggregation bewusst einen Dämpfer.


Grenzen der Fundamentalanalyse

  • Fundamentaldaten sind retrospektiv — Quartalsberichte kommen verzögert
  • Für frühe Wachstumsunternehmen (Pre-Revenue) ist das KGV irrelevant
  • Kurzfristiges Momentum ignoriert Fundamentals oft — der Markt kann irrational länger bleiben als man solvent
  • Buchhaltungstricks (Goodwill-Abschreibungen, Non-GAAP-Metriken) können Kennzahlen verzerren

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